Forschungsentwicklungsplan Department Informationsverarbeitung und Prozessmanagement (Auszug für das Institut für BWL und Wirtschaftsinformatik)

Mission

Das Department Informationsverarbeitung und Prozessmanagement umfasst die vier Institute Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsinformatik und neue Medien, Informationswirtschaft und Produktionsmanagement. Das Department unterstützt die betrieblichen Bereiche im integrativen und innovativen Einsatz von Informationstechnologie. Damit erschließt es Produktivitätsfortschritte und neue Aktionsräume. Dies erfolgt in Kooperation mit anderen betriebswirtschaftlichen Departments, Forschungsinstituten und der Praxis.

 Forschungsfelder/Schwerpunktsetzungen

Die Forschungsfelder des Departments lassen sich einerseits nach dem betrachteten betrieblichen Bereich, andererseits entlang eines IT-getriebenen Innovationsmodells untergliedern:

 
Hierbei bedingen neue Geschäftsmodelle und Strategien Innovationen auf der betrieblichen Prozessebene, zu deren Umsetzung innovative betriebliche Anwendungssysteme notwendig sind. Zu deren Realisierung werden entsprechende Softwaretechnologien (Architekturen, Programmiersprachen-, Datenbank- und Integrationskonzepte) benötigt. Neben dieser anwendungsgetriebenen Innovationskette gibt es auch technologiegetriebene Innovation: hier bewirken neue Softwaretechnologien neue Möglichkeiten für Anwendungen, die wiederum neuartige Prozessdesigns ermöglichen, mit denen bislang nicht umsetzbare Geschäftsmodelle und Strategien realisierbar werden. Das Department trachtet daher nach einer gesamthaften Abdeckung aller vier Innovationsbereiche, wiewohl die einzelnen Bereiche in den Instituten bzw. Forschungsfeldern verschieden gewichtig vertreten sind.

 

Institut für Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Wirtschaftsinformatik (WI)

Das Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik ist in der Forschung auf den Bereich „B2C-E-Commerce“ fokussiert. Dabei wird die Unterstützung der Marketinginstrumente (Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik) im Konsumentenbereich durch außenwirksame Informationssysteme untersucht.

 
Ausgangspunkt ist eine Referenzarchitektur für Geschäftsmodelle im B2C-E-Commerce. Sie beschreibt die Grundsatzentscheidungen, die Betreiber von Konsumenteninformationssystemen in Bezug auf den strategischen Rahmen, das Leistungsmodell (Angebot von Produkten und Dienstleistungen), die Ressourcen, das Budget (Erlösmodell) und die Organisationsstruktur zu treffen haben. Die Grundsatzentscheidungen sollten auf die jeweilige Situation abgestimmt werden. Diese Bedingungslage umfasst die im Zielmarkt vorhandene ITK-Infrastruktur (Angebot und Nutzung von Netzen, Endgeräten und Software), die Branchenmerkmale (Kunden, Konkurrenz, rechtliche Verhältnisse usw.), firmenspezifische und verkaufsobjektbezogene Bestimmungsfaktoren. Insgesamt werden mehrere hundert solcher Faktoren einbezogen, die vom Betreiber eines Konsumenteninformationssystems in der Regel nicht oder zumindest nicht kurzfristig beeinflusst werden können, die jedoch die Chancen und Risiken des B2C-E-Commerce und die Grundsatzentscheidungen beim Aufbau von Konsumenteninformationssystemen maßgeblich bestimmen. Die skizzierte Referenzarchitektur dient folgenden Zwecken:

Auf der Prozessinnovationsebene werden im Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik – ausgehend von der Rahmenarchitektur - die bestmögliche Gestaltung einzelner Prozesse im B2C-E-Commerce und deren Integration mit ERP- und Managementunterstützungssystemen betrachtet. Beispiele sind etwa Empfehlungssysteme zur automatisierten Verkaufsberatung, die Markenbildung im Internet, die IT-Unterstützung der Preisgestaltung, die Koordination des Internetvertriebs mit anderen Absatzwegen, die Kooperation mit Marktpartnern, die Internet-Marktforschung und die Online-Werbung. Soweit möglich mündet die Analyse in eine Prototypentwicklung und die Umsetzung im Markt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Untersuchung und Vorhersage der Benutzerakzeptanz mithilfe multivariater statistischer Verfahren. Für die Planung, Steuerung und Kontrolle des E-Commerce-Bereichs werden Kennzahlensysteme entwickelt.

Auf der Anwendungssystemebene befasst sich das Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik mit der Auswahl und Implementierung von kommerzieller Standardsoftware und Open-Source-Anwendungssoftware sowie der Entwicklung von Endbenutzerwerkzeugen. Hier ist das Forschungsfeld noch breiter; neben der Ausrichtung auf branchenneutrale ERP- und Managementunterstützungssoftware gibt es einen Branchenschwerpunkt im Hochschulbereich (bedingt durch die langjährige Rektorstätigkeit des Institutsvorstands). In Zukunft soll jedoch auch dieses Forschungsfeld stärker auf den B2C-E-Commerce-Bereich ausgerichtet werden.

Auf allen Ebenen arbeitet das Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik eng mit Partnern an anderen Instituten, anderen Universitäten und der Praxis zusammen. An der WU gibt es vor allem mit den Marketing-Instituten (Prof. Scheuch, Prof. Schnedlitz, Prof. Schweiger) sowie mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien (Prof. Neumann) gemeinsame Forschungsaktivitäten. An anderen Universitäten ist mit jenen Wirtschaftsinformatik-Kollegen eine besonders enge Kooperation gegeben, deren Habilitation von Prof. Hansen betreut wurde (Prof. Bichler, TU München; Prof. Gabriel, Bochum; Prof. Müller, Freiburg) oder bei denen Prof. Hansen längere Forschungsaufenthalte verbracht hat (Prof. Dhar, Prof. Stohr und Prof. Tuzhilin, NYU; Prof. Segev, UC Berkeley; Prof. Matolcsy und Prof. Wieder, UTS Sydney). Darüber hinaus gibt es durch die Gutachtertätigkeit von Prof. Hansen intensive Kontakte zu den über 30 Lehrstühlen, die im Rahmen des Forschungsprogramms Internetökonomie von der deutschen Bundesregierung gefördert werden. Erwähnenswert sind zudem die guten Beziehungen, die sich durch die gemeinsame Tagungsleitung und/oder den laufenden Erfahrungsaustausch mit Kollegen im Inland (Prof. Karagiannis und Prof. Werthner, Wien; Prof. Kotsis und Prof. Roithmayr, Linz) und Ausland (vor allem Prof. Buhl, Augsburg; Prof. Chamoni, Duisburg-Essen; Prof. Doukidis, Athen; Prof. Ein-Dor, Tel-Aviv; Prof. Galliers, Bentley; Prof. Gricar, Maribor; Prof. Mertens, Erlangen-Nürnberg; Prof. Murphy, Cork; Prof. Österle, St. Gallen; Prof. Ricci, Bozen; Prof. Zwicker, Berlin) ergeben haben. Bei allen Projekten wird eine enge Kooperation mit der Praxis angestrebt. Auf der IT-Herstellerseite sind insbesondere die guten Beziehungen zu Cognos, HP, IBM, IDS Scheer, Microsoft, SAP und Sun erwähnenswert. Auf der IT-Anwenderseite gibt eine so große Zahl von Gemeinschaftsprojekten (auch durch Beratung und wissenschaftliche Arbeiten von Studierenden, die institutsseitig betreut werden), dass deren Erwähnung den Rahmen dieser Übersicht sprengen würde. Fortgeschrittene Studierende werden durch ihre Bakkalaureats- und Master-Arbeiten sowie ihre Dissertationen in die Institutsforschung eingebunden (i.d.R. werden nur vorgegebene Themen aus der Institutsforschung betreut).

Das Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik betrachtet die Integration der Forschungsergebnisse in die Lehre und die Sichtbarmachung und Verwertung der Forschungsergebnisse mittels Öffentlichkeitsarbeit, Publikationen, Fachtagungen und durch Transfer in wirtschaftliche Anwendungen als wesentliche Aufgaben. Es hat mehrere Großtagungen in Wien organisiert (zuletzt die ECIS 2000 - European Conference of Information Systems mit über 1.000 Teilnehmern) und ist laufend in der Leitung kleinerer Konferenzen engagiert (zuletzt EURAM 2006 [European Academy of Management], useR-2006, NAEC [Networking and Electronic Commerce Research Conference], SI 2006 in Prag und HICCS 2007, Minitrack Recommender Systems, in Hawaii). Erwähnenswert sind ferner eine ganze Reihe erfolgreicher Unternehmensgründungen durch Absolvent/inn/en und ehemalige Mitarbeiter/innen des Instituts.
 

Der Schwerpunkt der Forschung auf der Softwaretechnologieebene liegt auf der Entwicklung von Modellen und Softwarewerkzeugen. Die Modellierung umfasst die Analyse von Geschäftsprozessen auf konzeptioneller Ebene, um Managern und Fachkräften einen systematischen Überblick über Strukturen und die in ihnen enthaltenen Abläufe zu geben. Im nächsten Schritt werden solche konzeptionellen Modelle dazu benutzt, Entwurfs- und Implementierungsmodelle zu erstellen, die helfen, die Entwicklung (den Kauf) von neuer Software in die gegebene Softwarearchitektur einzufügen. Um die bestmöglichen kosten- und marketingeffektiven Softwaresysteme erfolgreich erstellen zu können, ist es notwendig, die laufenden technologiegetriebenen Entwicklungen zu verfolgen, zu erforschen und zu vermitteln. Dies trifft insbesondere auf Innovationen zu, die mit dem Internet zusam­menhängen. Die Softwaretechnologieebene umfasst einfache objektorientierte Skript­sprachen, Programmier­sprachen wie Java, CASE-ähnliche Modellierungs- und Implementierungswerk­zeuge, aber auch Infrastrukturkonzepte und Softwarebibliotheken, die man typischerweise für E-Commerce-Anwendungen benötigt. Die Auseinandersetzung mit der systematischen Model­lie­rung von Modellierungssprachen führt zum Forschungsgebiet der „Metamodellierung“, ein wirt­schaftlich relevanter Anwendungsbereich davon ist die „Model Driven Architecture (MDA)“ der Object Management Group (OMG).

In der Forschung und Lehre wird ein wichtiger Fokus auf „Endbenutzerprogrammierung“ gelegt, die es betriebswirtschaftlichen Studierenden mit einer Wirtschaftsinformatik­aus­bil­dung ermöglichen soll, erfolgreich Endbenutzerwerkzeuge systematisch für betriebs­wirtschaft­liche Problemlösungen mit Hilfe einfach zu erlernender, objektorientierter Skriptsprachen zu koppeln. Damit entstehen neue Anwendungen, mit denen wiederkehrende Abläufe in Fachabteilungen selbstständig erstellt und gewartet werden können, ohne dafür Spezialisten aus der eigenen IT-Abteilung oder von externen Dienstleistern in Anspruch nehmen zu müssen. Hierbei wird in der Lehre darauf Bedacht genommen, dass nicht nur das Skriptsprachen-Wissen selbst vermittelt wird, sondern auch die Skript-Architekturen von Java und von Windows, sodass die Studierenden dauerhaft in die Lage versetzt werden, selbstständig existierende Endbenutzerwerkzeuge (z.B. MS Office, OpenOffice) in innovativen Problemlösungskombinationen einzusetzen, die Arbeitsabläufe automatisieren helfen, die in den analysierten und modellierten Geschäftsprozessen enthalten sind.